Schützen treffen mit Benefizaktion ins Schwarze

Wenn die Zellerfelder rufen, folgen mehr als 150 Menschen der Einladung -
Spenden in Höhe von 3555 Euro sollen zwei Familien entlasten

Corinna Knoke

Mit solch einem Zulauf hatte die Schützengesellschaft Zellerfeld nicht gerechnet. Sie hatte für Samstag zum Benefizschießen eingeladen, um acht Stunden lang Spenden für zwei Familien zu sammeln, die von schweren Schicksalsschlägen getroffen wurden. Die Oberharzer und Menschen darüber hinaus zeigten viel Solidarität, sodass laut Schützenvogt Rolf Köhler 3555 Euro zusammengekommen sind.

Lothar Mackowiak verlor infolge schwerer Durchblutungsstörungen beide Füße und verstarb überraschend während der Vorbereitung der Veranstaltung. Bernd Linde stürzte durch eine Unachtsamkeit und ist seitdem vom Hals abwärts gelähmt. Die Einnahmen sollen den Familien in dieser schweren Zeit ein wenig Hoffnung geben.

Emotionale Belastung für Familien

„Diese Ereignisse haben das Leben von Lothar und Bernd und ihren Angehörigen von einem Tag auf den anderen komplett verändert", hieß es bereits in der Ankündigung. Neben der emotionalen Belastung stünden die Familien auch vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Kosten für notwendige Umbauten am Haus sowie für die Beisetzung würden nur teilweise von Krankenkassen oder Versicherungen übernommen.

Schützenvogt Köhler berichtet von 152 Teilnehmerinnen und Teilnehmern beim Benefizschießen Alle 15 Luftgewehrstände seien über die gesamten acht Stunden hinweg belegt gewesen. „Wir haben vielleicht mit knapp 100 Teilnehmern gerechnet", sagt er. Stattdessen herrschte reger Betrieb an den Ständen, die Schützenklause platzte zeitweise aus allen Nähten. Zusätzlich seien viele Menschen aus der Bevölkerung gekommen, um zu spenden.

Große Anteilnahme für Schicksale

Die Familien zeigten sich tief bewegt von der großen Anteilnahme. Auch die beiden Söhne der Männer griffen im Team „Blaulicht" selbst zum Luftgewehr - der eine arbeitet beim Zoll, der andere bei der Polizei. Viele weitere Angehörige waren ebenfalls vor Ort, um ihre Dankbarkeit zu zeigen.

Für die Nutzung eines Standes wurden 100 Euro erhoben. Zwei befreundete Schützengesellschaften spendeten ebenfalls, obwohl sie keine eigenen Teilnehmer entsenden konnten. Allein durch die Standmieten kamen so 1700 Euro zusammen. Bei rund zehn Schützen pro Stand entsprach das einem Beitrag von etwa zehn Euro pro Person - aus Köhlers Sicht ein überschaubarer Betrag. Für die Verpflegung sorgten die Schützenschwestern mit belegten Brötchen, einem Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen. Insgesamt standen 18 selbst gebackene Torten bereit. Durch den Kuchenverkauf kamen weitere 400 Euro zusammen. Die Werbefirma des Ehepaars Bordeaux aus Clausthal-Zellerfeld, das selbst Mitglied der Schützengesellschaft ist, verkaufte gedruckte T-Shirts mit Schützensprüchen. Dadurch kamen zusätzlich 165 Euro zusammen. Mit den Privatspenden summierte sich das Gesamtergebnis auf 3555 Euro.

Rechtliche Hürde für Vereine

Vorab hatte die Schützengesellschaft eine rechtliche Hürde zu nehmen. Gemeinnützige Vereine dürfen Spenden grundsätzlich nicht direkt an Privatpersonen weitergeben, da dies gegen das Gebot der Selbstlosigkeit verstoßen und die Gemeinnützigkeit gefährden kann, erklärt Köhler. Der evangelisch-lutherische Kirchenverband Oberharz sprang allerdings ein: Die Einnahmen werden zunächst dorthin überwiesen und von dort aus an die beiden Familien weitergeleitet.

Auch wenn die sportlichen Ergebnisse nicht im Mittelpunkt der Benefizaktion standen, konnten sie sich dennoch sehen lassen. Am Stand des „Waldschlösschens" aus Lautenthal wurden mit 1021 Schüssen die meisten Treffer abgegeben. Insgesamt zählten die Organisatoren 11.282 Schüsse an allen Ständen. Jeder Teilnehmer erhielt eine Urkunde mit Stand- und Einzelwertung. „Es ging nicht um Höchstleistungen", betont Köhler. „Aber als Dank sollten die Schützen etwas mit nach Hause nehmen." Unterstützt wurde die Aktion von befreundeten Schützengesellschaften über Stadt- und Landkreisgrenzen hinaus sowie von Vereinen, Firmen und Institutionen aus Clausthal-Zellerfeld.

Schützen sehen Wiederholungsbedarf

Auch die Volksbank, die das Benefizschießen begleitete, will den Betrag laut Köhler noch aufstocken. Die Übergabe an die Familien soll in den kommenden Wochen erfolgen. Die Summe wird zu gleichen Teilen aufgeteilt. „Wir haben so etwas noch nie gemacht und waren unsicher, wie viele Leute kommen würden. Mit 1500 Euro wären wir schon zufrieden gewesen", sagt Köhler.

Nach den positiven Erfahrungen soll das Benefizschießen keine „Eintagsfliege" bleiben. Die Schützengesellschaft plant, die Veranstaltung künftig jährlich auszurichten und jeweils für einen anderen guten Zweck zu sammeln. Der Schützenvogt zieht ein rundum positives Fazit und ist stolz auf das Engagement seines Vereins: „Da können wir uns ruhig auf die Schultern klopfen.

Reges Treiben herrscht beim Benefizschießen der Schützengesellschaft Zellerfeld. Fotos: Neuendorf

Mehr als 150 Menschen nehmen beim Benefizschießen mit dem Luftgewehr teil.

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